Verdacht der Geldwäsche: Opfer von Love-Scam, Romance-Scam bzw. Liebesbetrugs

Unter den Begriffen des Love-Scams bzw. Romance-Scams (deutsch: Liebesbetrug) versteht man ein kriminelles Konstrukt, welches regelmäßig in Zusammenhang mit den Straftatbeständen des Betruges nach § 263 StGB und der (leichtfertigen) Geldwäsche gem. § 261 StGB steht. 

Der Ausgangspunkt derartiger Fallgestaltungen ist häufig, dass (meist alleinstehende) Frauen im Internet über Facebook, Instagram oder Dating-Plattformen von attraktiv wirkenden Männern angeschrieben werden. Diese Männer geben in der Regel an, dass sie als Soldat im Ausland stationiert oder als Geschäftsmann im Ausland unterwegs sind und daher kein schnelles persönliches Treffen möglich ist. Es folgt ein langer Zeitraum, in dem die Männer durch regelmäßigen Chatkontakt eine enge Vertrauensbeziehung zu ihren Opfern aufbauen. Mit der Zeit entwickeln sich durch den intensiven Chat und das vorgetäuschte Interesse echte Gefühle bei den Opfern und es folgen erste Liebesbekundungen von Seiten der Betrüger. Seitens der Betrüger wird nun in Aussicht gestellt, dass sie bald von ihrem Auslandsaufenthalt zurückkehren und die im Chat begonnene Liebesbeziehung dann auch endlich in der Realität leben wollen. Doch dann kommt es zu einem erfundenen Notfall, der diesem Plan entgegensteht. 

Welche Notfälle werden bei einem Liebesbetrug erfunden?

Die erfundenen Geschichten sind vielfältig und entwickeln sich ständig weiter.

Sehr häufig wird ein medizinischer Notfall im Ausland vorgespielt. So wird beispielsweise vorgetäuscht, dass es zu einem Überfall gekommen ist und der Betrüger – etwa durch eine Schussverletzung – lebensgefährlich verletzt und notoperiert werden muss. Für diese Operation benötige man nun unbedingt eine größere Geldsumme. Gelegentlich wird die Verletzung auch weggelassen und sich darauf beschränkt, dass man mangels Bargeldes die Heimreise nicht organisieren könne und man nun Geld brauche, um endlich zusammen sein zu können.

Oft ist auch die Fallgestaltung anzutreffen, dass der Betrüger durch schief gelaufene Geschäfte seiner ganzen finanziellen Mittel beraubt ist oder durch ein Missverständnis das eigene Konto eingefroren worden ist. Aufgrund der mangelnden Liquidität sieht der vermeintliche Liebhaber sich nun großen Problemen im Ausland ausgesetzt. Meist tritt jetzt eine weitere Person, die durch ihre berufliche Stellung vertrauenswürdig erscheint. So wendet sich der mittellose Geschäftsmann in seiner Not an die Botschaft und fortan kommt ein Diplomat und/ oder Anwalt ins Spiel. Gemeinsam versucht man nun finanzielle Mittel zu besorgen.

Weichenstellung: Selbst Betrugsopfer oder Ausnutzung als Geldwäscher?

An dieser Stelle kommt es zu einer wichtigen Weichenstellung für die spätere Entwicklung. Denn entweder werden die Opfer dazu gebracht ihr eigenes Vermögen einzusetzen, um den Betrüger aus seiner vermeintlichen Notlage zu befreien. Alternativ werden die Opfer gebeten ihre eigene Kontoverbindung preiszugeben, sodass hierauf Gelder eingehen können, die dann an bestimmte Konten weitergeschickt werden sollen.

Variante 1: Der Einsatz eigener finanzieller Mittel (Opfer eines Betruges)

Bei dieser Variante werden die Opfer von den Betrügern dazu gebracht eigenes Geld einzusetzen, um den vermeintlichen Liebhaber damit zu unterstützen und aus seiner erfundenen Notlage zu befreien. Aus dem Wunsch heraus zu helfen und wegen des mittlerweile aufgebauten scheinbaren Vertrauensverhältnisses überweisen die Opfer das Geld auf die angegebenen Konten. Bei einer einmaligen Zahlung bleibt es meistens nicht. Es werden immer neue Notlagen erfunden und die Bedrohlichkeit der Situation wird immer schlimmer dargestellt, sodass höhere Geldsummen fließen. Oft kommt es auch dazu, dass die Opfer sich verschulden, um die finanziellen Mittel aufbringen zu können.

In strafrechtlicher Hinsicht ist hier im Hinblick auf die Täter der Straftatbestand des Betruges nach § 263 StGB zu Lasten ihrer Opfer verwirklicht. Denn hätten die Opfer gewusst, dass die Chatpartner nur unter einer Scheinidentität auftreten, kein ernsthaftes Interesse an einer Liebesbeziehung besteht und die Notlagen frei erfunden sind, hätten sie die Überweisungen nie durchgeführt. Genau dieser täuschungsbedingte Irrtum wird von den Tätern ausgenutzt, um sich selbst zu bereichern. 

Variante 2: Weiterleitung von eingehenden Geldern (Strafbarkeit wegen Geldwäsche)

Es werden Vorwände erfunden, warum Gelder von fremden Personen auf das Konto des Kontoinhabers eingehen oder warum es notwendig ist, dass ein neues Konto eröffnet ist. Anfangs sind die Kontoinhaber noch misstrauisch, aber es werden meistens plausibel erscheinende Erklärungen geliefert. Im Endeffekt überwiegt dann aber der scheinbare Vertrauensbeweis, um die Kontoinhaber zu überzeugen. Denn die Kontoinhaber sind meistens davon geschmeichelt, dass ihnen so weit vertraut wird, dass hohe Summen auf ihrem Konto eingehen.

Nachdem die Gelder eingegangen sind, werden die Kontoinhaber gebeten das Geld an bestimmte Konten weiterzuleiten oder es in Kryptowährung wie Bitcoins anzulegen. Diesem Wunsch kommen die Kontoinhaber in der Regel so lange nach, bis die kontoführende Bank wegen diverser Auffälligkeiten Verdacht schöpft. In diesem Fall ist die Bank aufgrund des Geldwäschegesetzes verpflichtet die Buchungen abzubrechen und eine Verdachtsanzeige zu erstatten. 

Daraufhin wird ein Ermittlungsverfahren gegen die Kontoinhaber wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeleitet. Die Kontoinhaber werden von der Polizei zu einer Beschuldigtenvernehmung geladen. Ihnen wird die Masche des Love-Scams bzw. Romance-Scams erläutert. Leider zeigt sich, dass die Kontoinhaber es nicht wahrhaben wollen, dass sie ausgenutzt worden sind und dass die Chat-Person gar nicht existiert. 

Mit Einleitung des Ermittlungsverfahrens wird häufig bereits im Hintergrund die Staatsanwaltschaft tätig und beantragt bei dem zuständigen Ermittlungsrichter einen sogenannten Vermögensarrest in die Konten des Beschuldigten. Davon erlangen die Betroffenen häufig erst dadurch Kenntnis, dass sie nicht mehr frei über ihr Konto verfügen können oder es Schwierigkeiten bei Transaktionen gibt.

Der Grund für diesen Vermögensarrest besteht darin, dass damit die spätere Einziehung der inkriminierten Gelder abgesichert werden soll. Denn nach den §§ 74 ff StGB dürfen die auf das Konto eingegangen Gelder, welche aus Straftaten stammen, nicht im Vermögen der Beschuldigten verbleiben. Das Problem daran: Selbst wenn die eingegangen Gelder nicht mehr im Vermögen des Beschuldigten vorhanden und längst weitergeleitet worden sind, findet dennoch eine Einziehung statt. Die Einziehungsentscheidung ergeht am Ende der Hauptverhandlung im Rahmen des Urteils, sofern der Betroffene der (leichtfertigen) Geldwäsche schuldig gesprochen wird. Dies bedeutet in der Regel den finanziellen Ruin der Beschuldigten, denn nicht selten sind über seine Konten mehrere 10.000 Euro geflossen.

Die Regelungen der Einziehung nach §§ 74 ff StGB sind äußerst komplex. Wenn Sie mehr über die Problematik der Einziehung im Rahmen der Geldwäsche erfahren wollen und wie die Einrichtung eines sog. Pfändungsschutzkontos helfen kann, finden Sie weitere Informationen hierzu unter dem weiteren Blogartikel „Einziehung und Vermögensarrest“.

Worauf basiert die Strafbarkeit wegen Geldwäsche nach § 261 StGB?

In strafrechtlicher Hinsicht könnte der Straftatbestand der (leichtfertige) Geldwäsche nach 
§ 261 StGB erfüllt sein. Zusammenfassend und vereinfacht gesagt, wird danach bestraft, wer über Gelder verfügt, die aus Straftaten stammen (= inkriminiert sind). 

Wie bereits beschrieben stammten die auf dem Konto eingehenden Gelder aus Betrugstaten. Häufig handelt es sich dabei um Gelder, die die Täter von anderen Love-Scam Opfern erbeutet haben (siehe Variante 1). Durch die Einzahlung auf dem Konto und der späteren Weiterleitung der Gelder erlangen die der Geldwäsche Beschuldigten Verfügungsgewalt, wodurch mindestens eine Tatbestandshandlung des § 261 Abs. 1 StGB erfüllt ist. 

Nun wissen die Kontoinhaber in der Regel nichts von der kriminellen Herkunft der Gelder und ihrer Beteiligung, weswegen in der Regel kein Vorsatz vorliegt. Aber warum kommt dennoch eine Strafbarkeit wegen Geldwäscherei in Betracht? Die Antwort hierauf ist in dem Merkmal der Leichtfertigkeit nach § 261 Abs. 10 StGB zu finden. Unter diesem Tatbestandsmerkmal der Leichtfertigkeit ist die grob sorgfaltswidrige Verkennung der inkriminierten Herkunft der Waren zu verstehen. Bei der vorzunehmenden Wertung des Einzelfalls muss gefragt werden, ob Anhaltspunkte bestehen und nachweisbar sind, durch die der Kontoinhaber hätte merken können, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Abgestellt wird hier unter anderem auf mögliche Verdachtsmomente aufgrund eines aus den Überweisungen erkennbaren Verwendungszwecks, der Höhe der Summen und der Vielzahl an verschiedenen Einzahlenden.

Variante 3: Kombination aus beiden Varianten (erst Betrugsopfer, dann Geldwäscher)

Recht häufig finden sich auch Fallgestaltungen, die beide Varianten miteinander kombinieren: 

Zuerst werden die später der Geldwäsche Beschuldigten aufgrund einer erfundenen Notlage von den vermeintlichen Liebhabern dazu gebracht ihr eigenes Geld zur Verfügung zu stellen. Sie sind damit selbst Opfer einer Betrugstat (siehe Variante 1). Das wird so lange praktiziert, bis das Vermögen der Opfer aufgebraucht ist oder die Bank die Überweisungen aufgrund einer Verdachtsmeldung stoppt. 

Oft schaltet sich an dieser Stelle die Polizei ein und klärt die Opfer über die Masche des Lovescams bzw. Romancescams auf. Wie bereits ausgeführt glauben die Opfer der Polizei häufig nicht. Die vermeintlichen Liebhaber werden durch die Opfer mit den Vorwürfen der Polizei konfrontiert. Das anfängliche Misstrauen wird von den Liebhabern meistens schnell zerstreut. Es erfolgen Liebesbekundungen und plausibel klingende Erklärungen. 

Häufig kommt es an diesem Punkt zum Wechsel auf die Variante 2: Als Vertrauensbeweis werden nun fremde Gelder mit hohen Summen auf das Konto der Opfer überwiesen und darum gebeten diese Gelder weiterzuleiten. Die Kontoinhaber fühlen sich geschmeichelt und führen die Anweisungen aus.

In strafrechtlicher Hinsicht bereitet diese dritte Variante die größten Probleme. Denn die früheren Opfer eines Betruges werden nun zu (unfreiwilligen) Tätern einer Geldwäsche gemacht. Zudem wird den der Straftat der Geldwäsche Beschuldigten von der Staatsanwaltschaft nunmehr sogar vorsätzliche Geldwäsche – und damit nicht nur leichtfertige Geldwäsche – vorgeworfen. Der Hintergrund: Durch die seitens der Polizei erfolgte Aufklärung im Rahmen der Variante 1 (Betrugsopfer) hatten die der Geldwäsche Beschuldigten Kenntnis von betrügerischen Machenschaften der vermeintlichen Liebhaber. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten somit vor, den Betrügern trotz dieser Kenntnis ihr Konto zur Verfügung zu stellen und damit die inkriminierte Herkunft der Gelder billigend in Kauf nehmen.

Eng verbunden mit der Betrugsmasche des Liebesbetruges bzw. Love-Scams ist das kriminelle Konstrukt des Paket-Agenten oder Warenagenten. Wenn Sie hierzu weitere Informationen erhalten möchten, finden Sie diese unter dem weiteren Blogartikel „Verdacht der Geldwäsche: strafbare Tätigkeit als Waren-Agent oder Paket-Agent“.

Welche Strafe droht bei Geldwäsche nach § 261 StGB?

Der Tatbestand der vorsätzlichen Geldwäsche wird gem. § 261 Abs. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Tatbestand der leichtfertigen Geldwäsche wird gem. § 261 Abs. 10 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Daneben besteht die Gefahr der sogenannten Einziehung. 

Wenn Sie mehr zum Thema Einziehung wissen wollen, finden Sie weitere Informationen hierzu unter dem weiteren Blogartikel „Einziehung und Vermögensarrest“.

Verhaltenstipps

  • Sprechen Sie nicht mit der Polizei oder sonstigen Strafverfolgungsbehörden
  • Machen Sie von Ihrem Recht zu Schweigen Gebrauch
  • Brechen Sie jedweden Kontakt zu den Betrügern bzw. Liebhabern ab
  • Glauben Sie keinen Versprechungen, Liebesbekundungen und Ausflüchten
  • Führen Sie keine weiteren Überweisungen durch
  • Kontaktieren Sie umgehend eines Rechtsanwalt für Strafrecht

Warum sollten Sie einen Anwalt für Strafrecht aufsuchen, wenn Sie Beschuldigter einer Geldwäsche sind?

Ein Anwalt für Strafrecht kann Sie bei dem Vorwurf der Geldwäsche zunächst umfassend über den Fortgang des Verfahrens, weitere Verhaltenstipps und effektive Verteidigungsmöglichkeiten aufklären. Des Weiteren wird die Kommunikation mit den Strafverfolgungsbehörden übernommen und bereits frühzeitig Akteneinsicht beantragt, um die Beweislage und den Umfang der Vorwürfe ermitteln zu können.

Die Erfahrung zeigt: Um so früher Sie einen Anwalt für Strafrecht aufsuchen und je weniger Angaben Sie gegenüber den Ermittlungsbehörden gemacht haben, um so effektiver können Sie verteidigt werden.

Bitte zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, auch wenn Ihnen die Situation unangenehm ist. Wir hören Ihnen aufmerksam zu und verurteilen Sie nicht. Aufgrund unserer Erfahrung wissen wir, dass Sie das eigentliche Opfer einer ausgeklügelten und manipulativen Betrugsmasche geworden sind und Ihre Gefühle auf eine perfide Art und Weise ausgenutzt worden sind. 

Wir helfen Ihnen in durch diese schwere Zeit und stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Wir sind für Sie da!

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