Verdacht der Geldwäsche: strafbare Tätigkeit als Waren-Agent oder Paket-Agent

Unter den Begriffen des Paketagenten bzw. Warenagenten versteht man eine kriminelle Fallgestaltung, die eng mit den Straftaten des Betruges nach § 263 StGB und der (leichtfertigen) Geldwäsche gem. § 261 StGB verbunden ist.

Alles beginnt in der Regel damit, dass der spätere Beschuldigte des Straftatbestands der Geldwäsche nach § 261 StGB im Internet auf ein seriös wirkendes Job-Angebot aufmerksam wird. Dem Job-Interessenten wird suggeriert, dass er sich für eine einfache Tätigkeit viel Geld nebenbei verdienen kann. 

In der Regel schließt sich ein seriös wirkendes Bewerbungsgesprächs an, in dem der positive Ersteindruck weiter verstärkt wird. Die Parteien einigen sich auf einen Arbeitsvertrag und dem Interessenten wird als Arbeitsbeschreibung mitgeteilt, dass er Pakete an seine Wohnadresse erhalten wird.  Die darin enthaltenen Waren sollen umverpackt werden und an verschiedene Adressen – meist im Ausland – weitergeschickt werden. Hierfür wird eine Bezahlung in Aussicht gestellt, die selbstverständlich nie gezahlt wird. Durch die Umverpackung und Weitersendung durch den Paketagenten soll die kriminelle Herkunft der Gegenstände verschleiert oder „gewaschen“ werden. Von dieser inkriminierten Herkunft der Waren weiß der Paket-Agent aber natürlich nichts.

Woher stammen die Artikel, die an die Wohnadresse des Paketagenten geschickt werden?

Die an die Wohnanschrift des Warenagenten übermittelten Waren und Pakete stammen in der Regel aus Betrugstaten. Die Bestellungen werden durch einen sog. Identitätsdiebstahl mit den Daten von real existierenden Personen in Online-Shops wie Amazon, Zalando, Engelbert Strauss vorgenommen. Diese vermeintlichen Besteller wissen nichts von den Bestellungen, da ihre Daten vorher von den wahren Hintermännern abgegriffen werden. Das perfide daran: Da ihre Daten verwendet werden und die Bestellungen auf ihren Namen erfolgen, sehen sich die vermeintlichen Besteller den Rechnungen der Online-Shops ausgesetzt.

Was können Sie tun, wenn Sie Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sind?

Sollten Sie auch Opfer eines derartigen Identitätsdiebstahls geworden sein, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, so dass wir die Forderungen abwehren können und durch eine Anzeige bei der Polizei dafür Sorge tragen, dass ein Ermittlungsverfahren gegen die wahren Täter eingeleitet wird.

Ist die Tätigkeit als Paket-Agent bzw. Waren-Agent strafbar?

Die Tätigkeit als Paket-Agent bzw. Waren-Agent kann den Straftatbestand der (leichtfertigen) Geldwäsche gem. § 261 StGB erfüllen.

Die potenzielle Strafbarkeit verwundert auf den ersten Blick, da die Paketagenten bzw. Warenagenten in der Regel nichts von der inkriminierten Herkunft der Warensendungen aus den Betrugstaten wissen. Der Grund für eine etwaige Strafbarkeit ist in dem Merkmal der Leichtfertigkeit nach § 261 Abs. 6 StGB zu finden. Unter dem Tatbestandsmerkmal der Leichtfertigkeit ist die grob sorgfaltswidrige Verkennung der inkriminierten Herkunft der Waren zu verstehen. Bei der vorzunehmenden Wertung des Einzelfalls muss gefragt werden, ob Anhaltspunkte bestehen und nachweisbar sind, durch die der Paket-Agent hätte merken können, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Eng verbunden mit dem kriminellen Konstrukt des Paket-Agenten bzw. Warenagenten ist die Betrugsmasche des Liebesbetruges bzw. Love-Scams oder Romance-Scams. Wenn Sie hierzu weitere Informationen erhalten möchten, finden Sie diese unter dem weiteren Blogartikel „Verdacht der Geldwäsche: Opfer von Love-Scam, Romance-Scam bzw. Liebesbetrugs“.

Welche Strafe droht bei Geldwäsche nach § 261 StGB?

Der Tatbestand der vorsätzlichen Geldwäsche wird gem. § 261 Abs. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Tatbestand der leichtfertigen Geldwäsche wird gem. § 261 Abs. 10 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Daneben besteht die Gefahr der sogenannten Einziehung.

Wenn Sie mehr zum Thema Einziehung wissen wollen, finden Sie weitere Informationen hierzu unter dem weiteren Blogartikel „Einziehung und Vermögensarrest“.

Verhaltenstipps

  • Sprechen Sie nicht mit der Polizei oder sonstigen Strafverfolgungsbehörden
  • Machen Sie von Ihrem Recht zu Schweigen Gebrauch
  • Brechen Sie jedweden Kontakt zu den Betrügern ab
  • Glauben Sie keinen Versprechungen, Liebesbekundungen und Ausflüchten
  • Führen Sie keine weiteren Warensendungen durch
  • Kontaktieren Sie umgehend eines Rechtsanwalt für Strafrecht

Vorwurf der Geldwäsche – Wann sollten Sie einen Anwalt für Strafrecht aufsuchen?

Sollten Sie bereits eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung erhalten haben oder sollte eine Hausdurchsuchung bei Ihnen durchgeführt worden sein, sollten Sie uns sofort kontaktieren und keine Angaben zur Sache machen.

Ein Anwalt für Strafrecht kann Sie bei dem Vorwurf der Geldwäsche zunächst umfassend über den Fortgang des Verfahrens, weitere Verhaltenstipps und effektive Verteidigungsmöglichkeiten aufklären. Des Weiteren wird die Kommunikation mit den Strafverfolgungsbehörden übernommen und bereits frühzeitig Akteneinsicht beantragt, um die Beweislage und den Umfang der Vorwürfe ermitteln zu können.

Die Erfahrung zeigt: Um so früher Sie einen Anwalt für Strafrecht aufsuchen und je weniger Angaben Sie gegenüber den Ermittlungsbehörden gemacht haben, um so effektiver können Sie verteidigt werden.

Aber auch wenn Sie noch keine Vorladung erhalten haben, sollten Sie sich sofort an uns wenden, sodass wir bestenfalls eine Strafanzeige verhindern können.

Wir helfen Ihnen in durch diese schwere Zeit und stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Wir sind für Sie da!

Jetzt telefonische Ersteinschätzung erhalten oder persönlichen Termin in unserer Kanzlei vereinbaren.

 

Weitere Beiträge

Promillegrenze für E-Scooter: Strafe bei Trunkenheit im Verkehr

Promillegrenze für E-Scooter: Strafe bei Trunkenheit im Verkehr In Deutschland sind E-Scooter seit Mitte 2019 erlaubt und erfreuen sich seither großer Beliebtheit. Doch wie bei nahezu allen Fortbewegungsmitteln im Straßenverkehr gibt es auch bei der Nutzung eines...